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Sag was Nettes! PDF Drucken
Geschrieben von: Admin   

Segen am Ende des Gottesdienstes im Juli 2011 in FresachAnfang April haben Ö3 und die Post „die freundlichste Aktion für mehr Freundlichkeit in diesem Land" gestartet: Sag was Nettes!

Das finde ich gut, denn wie oft sagen wir einander schon Nettes? Freundlichkeit in den Alltag zu bringen, ist nett. Aber reicht es aus, einander Nettes zu sagen? Es geht noch besser, z.B. können wir einander auch Gutes sagen.

Segen

Gutes sagen (lat. bene dicere), das ist die tiefe Bedeutung von „Segnen". Und nicht erst seit April haben Menschen das Bedürfnis nach Segen. Segnen, das meint: „Ich spreche dir Gutes (von Gott) zu." Und weil wir Menschen nur zu einem kleinen Teil mit Worten kommunizieren, wird diese gute Zusage oft mit einem Zeichen (lat. signum; althochdt. segan, dt. Segen) bekräftigt – im christlichen Kontext meist ein Kreuz.

Segensformen

In den christlichen Kirchen haben sich im Laufe der Zeit viele Formen von Segen entwickelt:

  • Die vermutlich älteste ist die der „Einsegnung" unter Handauflegung. Menschen, die mit einem Dienst (in der Kirche) beauftragt werden, wird so mit symbolischer Bekräftigung zugesprochen, dass sie Anteil an der göttlichen Gnade haben.
  • Die bekannteste Form für evangelische Christinnen und Christen ist sicher der sog. „aaronitische Segen", der meistens als Sendung am Ende der Gottesdienste zugesprochen wird – mit ausgebreiteten Armen als symbolische Geste:

„Der Herr segne dich und behüte dich,
er lasse sein Angesicht leuchten über dir
und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich
und gebe dir Frieden."
4. Mose 6,24–26

  • KonfirmationssegenÜbergänge des Lebens (Geburt, Erwachsen werden, Partnerschaft, Krankheit, Tod) begleitet die Kirche mit Segensfeiern: Taufe, Konfirmation, Trauung, Salbung, Verabschiedung/Beerdigung. In der Taufe kommt zum das Sakrament der Aspekt des Segens hinzu – meistens zeichnen die Familienmitglieder und Freunde bei der Tauffeier ein Kreuzzeichen auf Stirn oder Bauch des getauften Kindes.

  • Mensch und Maschine: Die Kirchen der Reformation unterscheiden sich von der römisch-katholischen und den orthodoxen Kirchen in ihrem Segensverständnis. Während bei letzteren Menschen und Dinge gesegnet werden bzw. sogar geweiht werden, herrscht bei den evangelischen Kirchen das Verständnis vor, dass nur Menschen gesegnet werden können. Auch eine Weihe im Sinne einer Herausnahme aus dem weltlichen Bereich in einen geistlichen kennen die Kirchen der Reformation nicht. Deshalb werden Pfarrer auch nicht geweiht, wie Priester, sondern erhalten bei ihrer Ordination die älteste Form: Die Einsegnung unter Handauflegung. Das Segensverständnis der katholischen und orthodoxen Kirchen ist stark vom Gedanken der „Reinigung" geprägt. Im Mittelalter war der Segen sogar wichtiger als Hygiene. Aus dieser Zeit stammen auch die sog. Fleischweihen: Das Fleisch wird rituell gereinigt. Übrigens heißt die Fleischweihe korrekt „Speisensegnung", denn die österlichen Speisen sind nicht für den (alleinigen) geistlichen Gebrauch bestimmt, sondern für den „normalen" Verzehr.

  • Die „Einweihung" von Gebäuden ist im wörtlichen Sinn für die evangelischen Kirchen selbst bei Kirchen nicht möglich. Nachdem die Bezeichnung „Einweihung" nicht mehr nur die Weihe, sondern umgangssprachlich vor allem eine Eröffnung unter kirchlicher Beteiligung („Einsegnung") meint, sprechen evangelische Pfarrerinnen und Pfarrer bei der Eröffnung von Gebäuden öffentlichen Interesses (Heime, Ämter, Einkaufszentren u.a.) den Menschen, die in diesen arbeiten und leben, den Segen Gottes zu - nicht dem Gebäude als solchem.

Kämpft Gott auf beiden Seiten?

Die Segnung von Waffen ist nach evangelischem Verständnis gar nicht möglich. Auch in der römisch-katholischen Kirche gibt es die Waffensegnung (benedictio armorum) offiziell seit 1614 nicht mehr. Das Verständnis der Waffensegnung: Die Waffen sollen dazu dienen, die Gerechtigkeit zu schützen. Der Träger dieser Waffen soll wie David gegen Goliath kämpfen und die Kirche sowie die Waisen und Witwen verteidigen, wie es im Segensgebet heißt. Die Geschichte gibt beredt Zeugnis davon, wie unterschiedlich das von den Trägern aufgefasst wurde. Als Gemeinschaft von Sündern (communio peccatorum) ist die Kirche immer zutiefst menschlich, was paradoxer Weise bedeutet, dass sie inhuman ist. Als Gemeinschaft der Geheiligten (communio sanctorum) weiß sie aber auch, dass das nicht so sein muss und setzt sich dafür ein, dass die Welt gerechter und humaner wird.

Alt und gut

Übrigens ist der aaronitische Segen der aktuell älteste archäologisch belegte Bibeltext. Auf kleinen Silberschriftrollen aus dem 7. Jahrhundert vor Chr. aufgeschrieben, sind sie fast 400 Jahre älter, als die ältesten Bibeltexte aus Qumran!